Durch die „dunklen“ Seiten der Stadt: erlebt Salzburg einmal anders! Hunderte von Jahren passten Nachwächter auf die Stadt auf. Folgt ihm auf seinem Rundgang durch eines der Stadtviertel, so wie es in früheren Zeiten während der Nacht war …

Für unsere Reihe „Salzburger Helden“ haben wir diesmal die Nachtwächter von Salzburg vor die Kamera geholt. Leider haben wir das nur versucht. „Nobody is perfect“ – bei unserem ersten Nacht-/Outdoor-Dreh hat so ziemlich gar nix funktioniert. Deshalb habe ich mich kurzerhand entschlossen, das Interview einfach zu schreiben und mit Fotos zu dokumentieren.

Wir haben uns also vor einiger Zeit mit den beiden Fremdenführern Horst Reischenböck und Werner Knoll, die beide Nachtwächter-Führungen in Salzburg machen, zum Interview in der Altstadt getroffen. Genauer gesagt vor dem geschichtsträchtigen Traklhaus am Waagplatz.

Broderick - Nachtwächter 10

Foto | Broderick Dyke

Was uns die beiden zu erzählen haben, könnt ihr hier nachlesen:

 

DAS INTERVIEW

LS: Schönen guten Abend meine Herren. Vielen Dank schon im Voraus, dass ihr bei uns mitmacht. Ich möchte euch bitten, dass ihr euch kurz unseren Lesern vorstellt und was ihr so macht:

Horst: Ich bin Horst Reischenböck und bin der altgediente Nachtwächter hier in Salzburg. Ich bin 70 Jahre alt, bin Ureinwohner von Salzburg und mache die Nachtwächter-Führungen jetzt seit acht Jahren mit wachsender Begeisterung.

LS: Du bist Fremdenführer und machst Nachtwächter-Führungen hier in Salzburg?

Horst: Ja genau, das haben wir vor acht Jahren angefangen. Nach der Fussball Europameisterschaft haben wir den Brauch wieder aufleben lassen. Es hat früher immer Nachtwächter gegeben und das machen wir wieder. Es hat so eingeschlagen, dass wir es bis zum heutigen Tag weitergemacht haben.

LS: Zu meiner Linken der zweite Nachtwächter von Salzburg. Bitte stell dich auch kurz unseren Lesern vor:

Werner: Ich bin Werner Knoll, 60 Jahre alt und ebenfalls Nachtwächter. Als Nachtwächter bin ich fast so lange unterwegs wie mein Kollege Horst. Ich bin auch gebürtiger Salzburger und meine Familie lebt bereits seit über 500 Jahren in Salzburg

LS: Liebe Leser, wir haben heute 130 Jahre Erfahrung in Salzburg beim Interview. Da kommt die nächste Frage wie von selbst: was gefällt euch beiden in Salzburg am besten?

Horst: Für mich ist Salzburg ideal von der Lage her: wir haben die Berge, auf die ich gerne gehe, und wir haben die Seen zum schwimmen. Im Winter gehe ich gerne Schifahren und an der Stadt liebe ich die Kultur und Architektur. Besser geht´s gar nicht.

Werner: Mir gefällt am Besten der morgendliche Weg, wenn ich in die Stadt gehe. Wenn ich über die Salzach rüberkomme, ist der Anblick der Altstadt mit dem Dom und darüber thronenden Festung einfach ein Genuss. Das gefällt mir am besten!

LS: Von welcher Seite der Stadt kommst du über die Salzach?

Werner: Ich komme von der Neustadt – vom Schloss Mirabell.

(Da kann ich dem Werner nur recht geben. Also, wenn ihr in Salzburg seid, geht vom Schloss Mirabell rüber über den Makartsteg und euch erwartet ein tolles Panorama.)

LS: Jetzt hab ich mich ja mit den Nachtwächtern getroffen, damit wir gute Tipps von euch bekommen. Heute gibt´s Tipps von Experten aus erster Hand. Horst, wie schaut dein perfekter Freizeit-Tipp aus?

Horst: Schloss Hellbrunn mit den Wasserspielen. Für Kinder ideal, da gleich daneben auch der Salzburger Zoo ist. Entspannend ist auch die Kneippanlage im Park! Bei Schönwetter einfach ein Traum. Man erreicht Hellbrunn mit dem Fahrrad, den Öffis oder mit dem Auto. Ich selber fahr gern mit dem Rad über die Hellbrunner Allee nach Hellbrunn. Ein Fahrrad könnt ihr euch am Mozartplatz ausborgen – mein Tipp für die Freizeit!

LS: Werner, wie sieht dein Freizeit-Tipp aus?

Werner: Mein Freizeit-Tipp ist die Festung Hohensalzburg, das Wahrzeichen von Stadt und Land. Erstens vom Ausblick her und zweitens von der Geschichte – da findet jeder etwas, egal ob Kinder, Eltern oder Erwachsene. Sehr interessant ist auch das Burgmuseum. Zusätzlich hat man von da oben einen wunderbaren Rundumblick über das Salzburger Land. Nicht zu vergessen ist die gute Burgschenke! 😉

LS: Die Burgschenke ist ein gutes Stichwort. Horst, wo gibt es gutes Essen in Salzburg?

Horst: Ich gehe am liebsten ins Gasthaus Zwettler in der Kaigasse. Da gibt es typische Hausmannskost zu absolut fairen Preisen, erstklassig gekocht. Und ein gutes Bier gibt es dort auch – das Kaiser Karl Bier nämlich!

LS: Werner, wo gehst du am liebsten hin zum Essen?

Werner: Ich hab eine große Familie, unter anderem drei Enkerl, da ist auch die finanzielle Sache manchmal tonangebend. Wir gehen gern ins Müllnerbräu, dem sogenannten Bräustübl. Da kann man die Jause selber mitnehmen und es gibt ein ausgezeichnetes Bier.

LS: Wo trinkt ihr gerne euren Kaffee, wenn ihr zwischen den Führungen mal ein Pause habt?

Horst: Ich trinke gern meinen Kaffee im Cafe Fabrizi – das ist ein kleines Cafe in einem Durchgang in der Getreidegasse zum Universitätsplatz. Da gibt es einen erstklassigen Cappuccino und vor allem gibt es dort die besten Salzburger Nockerl.

LS: Jetzt wissen wir auch, wo es den besten „Salzburger“ Nachtisch zum Kaffee gibt!! Werner wo gehst du am liebsten hin?

Werner: Ich muss gestehen, dass ich keinen Kaffee trinke, aber meinen Tee trink ich am liebsten im Tomaselli.

(DasTomaselli ist eine sehr altehrwürdige Stätte und eines der 5 ältesten Kaffeehäuser in Salzburg.)

LS: Wenn man auf Tour geht, dann wird man dazwischen auch mal hungrig. Wo stillt Ihr euren Hunger zwischendurch?

Horst: Ich geh am liebstem am Universitätsplatz zum Würstelstand. Vorm DM-Markt gibt es drei Würstelstände und da gibt es hervorragende Würstel. Das nenn ich unser „Fastfood“ zum schnellen Essen zwischendurch.

LS: Das heisst, da wo sich am Samstag Vormittag alle Salzburger treffen zum Würstel essen. Dazu gibt es dann noch ein kleines Stiegl Bier und die Welt ist in Ordnung?

Horst: Debreziner mit scharfen Senf und einem Bier – passt hervorragend!

LS: Werner, wo „snackst“ du zwischendurch?

Werner: Dasselbe wie mein Kollege – zum Würstlstand, ausgenommen der Freitag, der ist ja für die Katholiken ein Fastentag und da gibt es einen Fisch beim Fischkrieg unten an der Salzach.

LS: Wenn die Gäste nach Salzburg kommen, wollen Sie vielleicht auch Leute treffen. Wo kann man das eurer Meinung nach am besten?

Horst: Zum Beispiel in der Paul-Stubn in der Herrengasse. Das ist ein gutes Lokal und ab 17:00 Uhr geöffnet. Da trifft man immer Salzburger. Man sitzt zwanglos zusammen an der Theke oder am großen Tisch. Einen einzelnen Tisch bekommt man sowieso nicht und daher kommt man bestens ins Gespräch mit den Einheimischen.

Werner: Ich geh mit meinen Gästen gern ins Zipfer Bierhaus in der Sigmund Hafner Gasse. Dort ist es schön praktisch, eine Stube für die Raucher – die es angeblich noch gibt – und eine Stube für die Nichtraucher. Und im Sommer gibt´s auch einen kleinen Gastgarten.

LS: Wo kann man in Salzburg am besten einkaufen?

Horst: Shoppen gehen kann man in Salzburg überall, man muss nur schauen, was einen anspricht. Wenn man was „Salzburgerisches“ mitnehmen will, muss man unbedingt Mozartkugeln kaufen. Aber unbedingt die Originalen vom „Fürst“ mitnehmen. Die einzigen auf der Welt, die handgemacht sind und nicht verschickt werden. Die kann man nur in Salzburg kaufen. Da kann man beweisen, dass man wirklich in Salzburg war.

LS: Da gibt es einige Fürst Geschäfte in Salzburg – 4 kleinere und das Hauptgeschäft am alten Markt.

Horst: Genau!

LS: Werner, was empfiehlst du unseren Salzburg Gästen?

Werner: Bei den Souvenirs bin ich immer auf der lustigen Seite. In Salzburg regnet es gerne, jeder kennt den “Schnürlregen”. Und da ist ein richtiger Salzburger Regenschirm mit einem Mozart-Bild drauf oder einem mit der Festung Hohensalzburg oder von der Altstadt genau das Richtige. Das perfekte Souvenir zum Mitnehmen.

LS: Wo bekommt man so einen Regenschirm am besten?

Werner: Am besten in der Getreidegasse.

LS: Jetzt wird es richtig spannend. Was ist für unsere Experten der schönste Platz in Salzburg?

Horst: Das wird dich jetzt etwas verwundern. Mein schönster Platz ist der Friedhof von St. Peter. In der Vor- und Nachsaison ist es dort so wunderbar ruhig. Es ist der älteste Friedhof Österreichs und das hat für mich eine ganz besondere Atmosphäre. Man schaut sich die alten Grabsteine an und denkt daran, dass dort schon vor 1300 Jahren Leute begraben wurden. Der Friedhof ist immer noch aktiv und man hat einen schönen Blick auf die Festung von dort – ein einmaliger Ort.

(Wenn Ihr lieben Salzburg-Begeisterten auf die Festung Hohensalzburg wandert, geht ihr genau am Friedhof von St. Peter vorbei. Kurz vom Einstieg in die Festungsbahn ist der Zugang zum Friedhof auf der rechten Seite. Uunbedingt vorbeischauen – ein absolutes MUSS bei eurem Salzburg-Besuch!)

LS: Horst, und dein schönster Platz?

Horst: Mein Tipp ist auch ein ruhiger Platz – in der Universität drinnen gibt es den “Furtwänglerpark”. Man ist direkt im Innenhof der Universität (wo man auch einen historischen Hintergrund hat – unsere Universität ist 400 Jahre alt), sitzt auf einem Bankerl und kann die Leute beim Vorbeispazieren beobachten.

(Für alle Salzburg Begeisterten, die einmal in Ruhe sitzen möchten und die Seele baumeln lassen wollen: geht doch in den Furtwänglerpark in der Universität und gönnt euch eine Auszeit!)

LS: Welchen absoluten Geheimtipp haben unsere Nachtwächter für unsere Leser?

Horst: Ein Geheimtipp ist gleich hier am Platz: das „Antretter Haus„. Dort lebte der ehemalige Hofkanzler vom Erzbischof. Im Innenhof gibt´s eine Barock-Kapelle, die kennt kein Mensch, weil niemand in den Hof hineingeht. Es ist keine Kapelle mehr, aber Barock aus der Zeit von Mozart. Die Adresse ist zwar Mozartplatz 4, das Haus ist aber direkt am Waagplatz. Ein wunderschönes Gebäude.

LS: Werner, und dein absoluter „geheimer“ Geheimtipp für unsere Leser ?

Werner: Die meisten Einheimischen und Gäste waren noch nie in der Krypta im Salzburger Dom. Die Krypta gibt´s noch nicht so lange, erst seit dem 2. Weltkrieg. Nach dem Wiederaufbau des Doms hat man diese Krypta gebaut und wunderschön hergerichtet. Das ist mein Geheimtipp!

LS: Was möchtet Ihr noch zukünftigen Salzburg-Besuchern und Wiederholungstätern mit auf den Weg geben?

Horst: Sie mögen Zeit für Salzburg einplanen. Salzburg kann man nicht in zwei Stunden besichtigen. In Salzburg sollte man 2 -3 Tage verbringen, dann kann man es so richtig genießen und man bekommt einen guten Eindruck von der Stadt. Die meisten Leute sind einfach viel zu kurz da.

Werner: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

LS: Das waren wirklich sehr tolle Informationen und Tipps für unsere Leser von loving Salzburg. Ich möchte mich ganz herzlich bei den Nachtwächtern von Salzburg – Horst Reischenböck und Werner Knoll – für das Interview bedanken. Wenn ihr in Salzburg seid, bucht euch eine Tour mit den Nachtwächtern, es lohnt sich auf alle Fälle. Ich geh mit Ihnen jetzt auf Tour, aber das wird eine andere Geschichte.

Broderick - Nachtwächter 6

Foto | Broderick Dyke

Broderick - Nachtwächter 12

Foto | Broderick Dyke

Kontakt:

Horst Erwin Reischenböck
Salzachweg 39D/Top 3
5061 Elsbethen
Austria

Mail: her@salzburg.co.at
WWW: nachtwaechter-salzburg.com
phone: 0043 662 63 64 23
mobile: 0043 664 41 53 645

Werner Knoll
Lasserstrasse 17
5020 Salzburg
Austria

Mail: info@knoll-guide-salzburg.at
WWW: nachtwaechter-salzburg.com
phone: 0043 662 88 20 72
mobile: 0043 664 43 41 757

FOTOS:

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